Spieletest | 22.01.2010

Dark Void

Ein schönes Beispiel dafür, wie sich ein anfangs unscheinbares Spiel innerhalb weniger Stunden zu etwas Großem entwickeln kann, liefert Capcom mit seinem Action-Aufgebot "Dark Void": Zunächst mutet die urige Kombination aus "Rocketeer", "Stargate" und 50er-Jahre-UFO-Film an wie ein herkömmlicher Shooter, bei dem man sich von Deckung zu Deckung hangelt. Doch mit jeder weiteren Stunde wird das Spielprinzip des PC-, Xbox-360- und PS3-Titels buchstäblich abgehobener, die Action kerniger, die Handlung spektakulärer. Ein echter Spätzünder!

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Aller Anfang ist jedoch schwer - und verdammt zäh: Nach seinem Absturz über den Ruinen einer südamerikanischen Indianer-Hochkultur schultert Bruchpilot Will Grey sein Maschinengewehr und stürzt sich hinter umgestürzte Pfeiler, Felsen oder Trümmer, um Feindbeschuss zu entgehen. Nur dann und wann lugt er gezielt hinter dem Schutz hervor, um die Feinde via Fadenkreuz und Zoom aufs Korn zu nehmen.

Was sich da zwischen den farnüberwucherten und moosbewachsenen Relikten tummelt und dem Spieler vor die Flinte läuft, das ist aber weder Dschungelgetier noch Banditenpack, sondern drahtige Blechkerle, die mit Plasmawerfer, Laser und anderen High-Tech-Projektilen den Dschungel glühen lassen.

In den ersten zwei, drei Stunden von "Dark Void" wirkt das alles wenig inspiriert: Die gegnerischen Roboter sind steril, die allzu geradlinigen Levels öde, die Steuerung einen Tick zu klobig, die Kamera immer zu nah am Geschehen. Und das Szenario selbst sieht aus, als hätte man die Technik hierfür schon vor zwei Jahren erstellt.

Das alles ändert sich jedoch schlagartig, als das coole Flieger-Ass zum ersten Mal den Raketen-Rucksack umschnallt: Dann macht der eben noch so mittelmäßige Titel eine spielerische, visuelle und auch erzählerische Kehrtwende - und es geht buchstäblich aufwärts! Die vermeintlich langweiligen Roboter entpuppen sich als bloße Vehikel kleiner, ekliger Glibber-Aliens aus der Zwischenwelt "Void", von wo aus sie mit gigantischen Schlachtkreuzern und anderen Vehikeln über die Menschheit herfallen wollen.

Das Spiel selbst wiederum verlässt die engen, sparsam inszenierten Urwald- und Ruinen-Korridore - und serviert stattdessen prächtige und riesengroße 3-D-Schlachtfelder, die der Ballermann entweder auf Schusters Rappen durchquert und dabei von Deckung zu Deckung hechtet (was übrigens auch in der Vertikalen funktioniert). Oder aber er erlebt sie aus luftiger Höhe, holt UFOs vom Himmel oder kapert sie nach einem kleinen Reaktionsspielchen, um die Aliens mit den eigenen Waffen zu schlagen.

Noch beeindruckender: die Begegnungen mit den sogenannten Archonts - gigantische Roboter, die sich nur mit einer speziellen Vorgehensweise und einem aufgewerteten Waffenarsenal knacken lassen.

An dieser Stelle wird "Dark Void" episch, rasant und taktisch. Auf einmal wird klar, warum sich Brad Pitts Produktionsfirma die Filmrechte an dem Stoff gesichert hat und die Steuerung im engen Dschungel so sperrig und ungenau wirkte: Sie ist für große Areale gemacht.

Ein paar Probleme haben jedoch auch in der Höhe Bestand: Die Kamera rückt Will immer noch zu nah auf die Pelle, zickt zuweilen und erschwert dem Spieler damit das Leben. Deutlich sichtbar ist auch der qualitative Unterschied zwischen der getesteten Xbox-360- und PS3-Fassung. Letztere besitzt schwammigere Texturen und wirkt farbloser. Beiden gemein sind die fehlende Sprachausgabe und der nicht vorhandene Multiplayer-Modus.

Fazit: "Dark Void" wäre richtig gut geworden, wenn Capcom etwas mehr Feinschliff betrieben hätte. So trauert man jedoch ein wenig dem verschenkten Potenzial hinterher.

Robert Bannert

Facts

System PC, PlayStation3, Xbox 360
Vertrieb Capcom Europe
Entwickler Airtight Games

Bewertung

Grafik Gut
Sound Gut
Steuerung Befriedigend
Spielspaß Gut
Gesamturteil Gut