Spieletest | 28.01.2010

Darksiders

Visionen der Apokalypse gibt’s nicht auf der Leinwand, sondern auch im Reich der Games zuhauf. Aber noch nie wurde der Weltuntergang derart brachial heraufbeschworen wie in "Darksiders" von THQ und Vigil Games. Die Rolle des Spielers? Er ist Krieg, einer der vier Reiter der Apokalypse - und mächtig angefressen ...

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Der populäre US-Comic-Zeichner und -Autor Joe Madureira ("Battlechaser") gibt hier mit seinem unverwechselbaren Stil die kreative Marschrichtung vor. Das Ergebnis ist eine schroffe, aber dennoch verschnörkelte Welt, in der das volle biblische Endzeitprogramm und noch weit mehr abgespult wird. Es regnet Feuer vom Himmel, Engel und Dämonen zanken sich um die Vorherrschaft und stürzen die Menschheit ins Verderben ...

Aber wie konnte das eigentlich passieren? Als Wächter über das Gleichgewicht zwischen den drei Königreichen Himmel, Hölle und Menschenwelt sind die vier apokalyptischen Reiter im Auftrag der höchsten Instanz unterwegs - und überall dort zur Stelle, wo die fragile Balance ins Wanken gerät. Darum wird den vieren auch alle paar tausend Jahre die wenig ehrenvolle Aufgabe zuteil, den galaktischen Reset-Knopf zu drücken. Oder anders ausgedrückt: Sobald alle sieben Siegel der Schöpfung zerbrochen sind, führen sie einen Vernichtungsfeldzug an, bei dem kein Stein auf dem anderen bleibt - Neustart.

Vorreiter der großen Kaputtmachung ist kein Geringerer als "Krieg", das Alter Ego des Spielers. Ihm gebührt das Eröffnungs-Hauruck. Dumm nur, dass "Krieg" diesmal auf dem Holzweg ist: Offenbar wurde er hereingelegt und gerufen, obwohl das Ende noch gar nicht nahen sollte.

Die Folge: Die Apokalypse wird verfrüht eingeleitet, und mit der unplanmäßigen Vernichtung des Menschenreichs geht auch die kosmische Balance flöten. "Krieg" wird als Verräter, Aufrührer und Günstling des Teufels verurteilt. Seine Strafe: Er wird nahezu aller Kräfte beraubt, bekommt einen lästigen Aufpasser zur Seite gestellt und wird ihm zusammen zurück auf die Erde geschickt. Die Mission: das Gleichgewicht wiederherstellen!

Erfahrene Action- und Adventure-Haudegen ahnen schon, was folgt: Bevor "Krieg" den angerichteten Schaden ungeschehen machen kann, muss er seine verlorenen Waffen und Fertigkeiten zurückgewinnen. Die Suche führt den hünenhaften, breitschultrigen Kämpen durch staubbedeckte Häuserschluchten, über zersplitterte Straßenzüge, finstere Friedhöfe bis in die Abgründe der Hölle.

Dickbäuchige Dämonen der Verderbnis machen dem Reiter dabei ebenso das Leben schwer wie Monster-Fledermäuse, beißwütige Riesenfische und eine Legion Untoter. Wer in dieser finsteren und feindlichen Welt überleben will, der muss einen mächtigen Schlag und magische Talente im Repertoire haben: Für den nötigen Rumms sorgt "Kriegs" schulterhohes Zweihandschwert, mit dem er in bester "God of War"-Manier wütet.

Erst nach der einen oder anderen Begegnung mit monströsen Bossgegnern oder dem Dämonen-Händler Vulgrim werden die Angriffs-Combos und die Waffenkammer aufgestockt: Dann befindet sich eine Sense oder ein übergroße, ferngesteuerter Wurfstern im Gepäck, mit dem man nicht nur Gegner zerlegen, sondern auch weit entfernte Mechanismen betätigen kann, um etwa eines der zahllosen "Zelda"-artigen Puzzles zu knacken, die nach anfänglichen Scharmützeln den eigentlichen Spielablauf mehr und mehr bestimmen.

Aber "Krieg" kann noch mehr: Als Racheengel schwebt er auf geisterhaften Schwingen über Abgründe, geht in den Fluten auf Tauchstation, schultert schwere Geschütze, schwingt sich auf den Rücken von fabulösem Reitgetier und kraxelt trotz schwerer Rüstung wie ein Eichhörnchen an Tunnelwänden entlang.

Kämpfen, klettern, springen, gleiten, rätseln: Die "Darksiders"-Mischung ist nicht neu, aber derartig bravourös präsentiert, fantasievoll konstruiert und sauber umgesetzt, dass man den Entwicklern fürs eifrige Abkupfern unmöglich böse sein kann. Wer sich auch nur ansatzweise für das finstere und nicht gerade gewaltfreie Szenario begeistern kann, bekommt hier einen absoluten Vorzeige-Titel kredenzt, der mehr als 666 zündende Ideen bereithält ...

Robert Bannert

Facts

System Xbox 360, PS3
Vertrieb THQ
Entwickler Vigil Games

Bewertung

Grafik Gut
Sound Sehr gut
Steuerung Sehr gut
Spielspaß Sehr gut
Gesamturteil Sehr gut