Spieletest | 05.02.2010
German Truck Simulator
Feierabend? Von wegen! Berufssimulationen haben Hochkonjunktur in Deutschland. Wer will, kann auch in seiner Freizeit Linien-Busse, Züge und U-Bahnen steuern, Äcker pflügen, Gruben ausbaggern, Häuser einreißen. Oder neuerdings auch Brummi fahren - dank des tschechischen Entwicklers SCS und seines "German Truck Simulators".
Niemand kann es so genau erklären: Die meisten rümpfen über Programme wie dieses erst einmal abfällig die Nase - um dann anscheinend doch ihrem Charme zu erliegen. Anders lässt es sich kaum erklären, dass sich Spiele, die eigentlich nur das tägliche Einerlei verschiedener Berufsgruppen möglichst genau nachbilden, verkaufen wie geschnitten Brot.
Der "German Truck Simulator" baut auf den "Euro Truck Simulator" desselben Herstellers auf und schickt schwere Lkw mit den unterschiedlichsten Ladungen auf große Fahrt. Lizenziert wurden sechs MAN-Zugmaschinen. In den Führerhäusern ist man schier überwältigt von der Detailfülle, mit der die Arbeitsplätze der Brummifahrer nachgebildet wurden. Alles ist an seinem Platz, der Tacho funktioniert wie im richtigen Leben und der gemeine PC-Spieler bekommt einen Eindruck davon, wie schwierig es ist, beim Rangieren solcher Massen aus Stahl und Blech den Überblick zu behalten, wenn nur zwei winzige Außenspiegel etwas Sicht nach hinten bieten. Immerhin machen hier mehrere verschiedene Kamera-Perspektiven dem Laien das Leben etwas leichter.
Gesteuert werden die Monster der Landstraße komfortabel per WASD-Tasten, doch das klingt unkomplizierter, als es dann tatsächlich ist. Man hat schon damit zu kämpfen, seinen Laster auf der Spur zu halten und nicht ausbrechen zu lassen - Kollisionen mit Leitplanke oder anderen Verkehrsteilnehmern werden zwar mit Strafen belegt, hinterlassen aber wegen des fehlenden Schadensmodells keine sichtbaren Spuren am Fahrzeug oder der Umgebung.
Als Spieler darf man sich in einer Art Karriere zum Chef eines Transportunternehmens mit mehreren Fahrern hocharbeiten - großartige Auswirkungen auf den unmittelbaren Verlauf des Games hat das aber nicht. Weiterhin schwingt man sich auf den Bock seines Trucks und schafft Holzladungen, Reifen oder Pkw zwischen 18 deutschen Städten von Nürnberg bis Kiel hin und her.
Bei der Spielwelt hört es dann auch schon auf mit der Detailtreue: Die Städte sind reine Fantasiegebilde mit ein paar vereinzelten, herausragenden Wahrzeichen im Hintergrund, auch die Autobahnen haben wenig mit ihren realen Vorbildern gemein. Unterwegs begegnen einem lediglich andere Brummis oder Pkw. Fußgänger und sonstiges "Leben" wie unerwartete Ereignisse von Unfällen über Staus oder ungünstige Witterung sucht man vergeblich.
Deshalb gestaltet sich das Spielgeschehen auf die Dauer auch recht eintönig - auf den langen Routen fehlt es einfach an Abwechslung oder zusätzlichen Herausforderungen. Wer allerdings eine lange Autobahnfahrt von einem Ende der Republik zum anderen mit einer Ladung Baumstämme als das Nonplusultra des Spielspaßes betrachtet, sollte sich den "German Truck Simulator" nicht entgehen lassen. Ein solides Programm ohne besondere Highlights.
Facts
| System | PC |
| Vertrieb | Rondomedia |
| Entwickler | SCS Software |
Bewertung
| Grafik | Befriedigend |
| Sound | Ausreichend |
| Steuerung | Gut |
| Spielspaß | Befriedigend |
| Gesamturteil | Befriedigend |



