Spieletest | 21.01.2010

Grand Theft Auto: Episodes From Liberty City

Anschnallen, bitte! Rockstar Airlines setzt zum Landeanflug auf Liberty City an. Mal wieder. Und doch zeigt die Pixel-Stadt, dieses zynische Abziehbild von New York, bei jedem Besuch ein anderes Gesicht. Einst stand Open World für Copy-Paste-Texturen, für Bäume, Berge und Binnengewässer. Rockstar Games erfand den Begriff mit seinem Gangster-Epos "GTA" neu, machte das Konzept zum Zauberwort in der Branche. Mit Liberty City schufen die Programmierer der Erfolgsschmiede kein Spielbrett, sondern eine verblüffend realistische Metropole. Wie echte Großstädte hat die Heimat der bisherigen Anti-Helden Niko Bellics und Johnny Klebitz unzählige, grundverschiedene Facetten. Eine ganz neue ist die, in der Anthony Price und Luis Lopez leben - Vorhang auf für das zweite "GTA IV"-Addon, "The Ballad of Gay Tony", das im Bundle mit dem ersten Zusatzpack exklusiv für die Xbox 360 erscheint

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Edler Champagner, dicke Discokugeln, leichte Mädels und tuntige Boys. Das ist die Welt von Nachtclubbesitzer Anthony Price, besser bekannt als Gay Tony. Die Frage nach den sexuellen Vorlieben erübrigt sich, spätestens die rosa schimmernde Ästhetik der neuen "GTA"-Erweiterung räumt alle Zweifel aus.

Doch keine Angst, in "The Ballad of Gay Tony" wird nur am Rande Prosecco geschlürft und mit Homoerotik kokettiert. Gay Tonys rechte Hand (bitte nicht missverstehen!) Luis Fernando Lopez, Sohn einer Einwandererfamilie aus der Dominikanischen Republik, ist beileibe kein warmer Bruder und schon gar kein Weichei. Als Praktikant in der Unterwelt von Liberty City tut Luis, was ein Gangster tun muss. Kaltblütig, aber nicht ohne Gewissenskonflikte räumt er Widersacher aus dem Weg, eskortiert Kollegen vom Boss, sprengt Autos in die Luft, beschafft Informationen, klaut Panzer und anderen Kleinkram - gewohnt gelungenes "GTA"-Missionsdesign eben.

Ein bisschen knackiger als das Hauptspiel und das "The Lost and The Damned"-Addon ist das dritte Abenteuer schon. Neuerdings müssen verpatzte Missionen nicht mehr von Anfang an neu gespielt werden - das relativiert den höheren Schwierigkeitsgrad ein wenig. Am Gameplay hat sich indes wenig getan: Die komplexe, aber zweckmäßige Steuerung blieb unverändert, die Grafik wurde nur geringfügig aufgemotzt.

Vom Gangster-Alltag in Liberty City kann man das nicht gerade behaupten. Sieben neue Knarren sorgen für mehr Action in Gefechten, vor allem die schlagkräftige Minigun, die mächtige Automatik-Schrotflinte und die explosiven Haftbomben helfen Luis beim Überlebenskampf im Großstadt-Dschungel. Dazu flitzen ein paar neue Boliden durch die Straßen, doch besonders in der Luft herrscht regerer Verkehr. "The Ballad of Gay Tony" führt sowohl den Kampfhubschrauber als auch den Fallschirm ein. Kein Wunder, dass sich nun ein Großteil der Missionen über den Wolkenkratzern abspielt. Emsige Zocker sammeln zudem Bonuspunkte bei waghalsigen Basejumps.

Überhaupt bietet das Game etliche neue Freizeitbeschäftigungen: In Gay Tonys Clubs schwingt Luis per Analogstick das Tanzbein oder kippt Magnum-Flaschen Champagner. Wer’s heftiger mag, kann sich die Zeit mit den Nebenmissionen um die Drogendealer aus Luis’ Kindheit vertreiben.

Wie schon bei "The Lost und The Damned" serviert Rockstar Games ein Addon, das manch ein Konkurrent als Vollpreistitel ins Regal stellen würde. "The Ballad of Gay Tony" kann wahlweise per Download via "Xbox Live" (knapp 20 Euro) oder im Laden als Bundle gemeinsam mit dem ersten Addon (ca. 40 Euro) erstanden werden.

Wer Niko und Johnny mochte, wird auch Luis lieben. Apropos: Begegnungen mit alten Freunden und solchen, die es vorgaben zu sein, sind vorprogrammiert. Und auch wenn Gay Tonys Liberty City ein viel bunteres und hipperes Gesicht zeigt als es die alten Helden je erleben durften, so kommen doch ab und zu Erinnerungen an frühere Abenteuer hoch. Besser als Kino!

Gregor Jossé

Facts

System Xbox 360
Vertrieb Take 2 Interactive
Entwickler Rockstar Games

Bewertung

Grafik Gut
Sound Sehr gut
Steuerung Sehr gut
Spielspaß Sehr gut
Gesamturteil Sehr gut