Spieletest | 07.06.2010
Pure Football
Nicht nur Bundestrainer Jogi Löw schwört auf Lukas Podolski. Auch Publisher Ubisoft glaubt an die Zugkraft des Kölner Nationalstürmers und lässt ihn auf dem Cover des PS3- und Xbox-360-Games "Pure Football" auflaufen.
Die Zutaten von "Pure Football" stimmen, um kurz vor Anpfiff der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika einen veritablen Verkaufsschlager zu landen. Erstens: Das Leder rollt. Zweitens: Michael Ballack, Schweini und Co. sind hier unkaputtbar. Und drittens: Mit 17 Nationalmannschaften, 17 legendären Teams (inklusive Müller, Beckenbauer usw.), 230 lizenzierten Spielern, schnellen Fünf-gegen-Fünf-Matches und geringem Preis (30 Euro) scheint "Pure Football" eine echte Fun-Alternative zum offiziellen "FIFA WM"-Spiel von EA und dem per Update WM-tauglichen "Pro Evolution Soccer 2010" zu sein.
Doch das Kicken verkommt hier zur Karikatur. Das fängt bei der Zusammensetzung des deutschen Kaders an (Hitzlsperger!), erstreckt sich über die mitunter kuriose Ballphysik und endet bei einer eigenwilligen Regelkunde, bei der allenfalls Blutgrätschen mit einem Elfmeter bestraft werden - egal, wo das Foul stattfand. Dazwischen versucht der Spieler, mit seinem Wunschteam in Gewächshäusern, Fabrikhallen, Hafenanlagen oder einer Stierkampfarena dem Gegner den Kasten vollzuhauen.
Doch das ist anfangs schwieriger, als man es für diese Art von Spiel vermuten könnte. Die Gründe dafür sind zahlreich: Zum einen garantiert keine der beiden Kameraperspektiven auch nur einen Hauch von Übersicht. Entweder sie blickt dem gewählten Spieler situationsbedingt mal mehr, mal weniger eng über die Schulter oder fängt das Geschehen unvorteilhaft von der Seite ein. Klar, "Pure Football" will ein intensives Bolzplatzerlebnis bieten. Doch weil man nie weiß, welche Kollegen mitgelaufen sind oder nach hinten absichern, verkommen viele Pässe zur Glückssache. Auch Flanken sind knifflig und werden meist nur dann eine Vorlage, wenn ein kleiner blauer Pfeil das signalisiert. Immerhin: Den Dreh beim Schießen hat man mit ein wenig Übung rasch raus: Ein kleines Reaktionsspielchen sorgt zwar dafür, dass nicht jeder Ball sitzt. Dafür können die Bälle unnatürlich mit der Schultertaste angeschnitten werden.
Zudem bekommen all jene, die zu doof sind, einen sich aufladenden Schussbalken in einem winzigen Bereich zum Stehen zu bekommen, irgendwann eine Art "Super-Schuss" spendiert, der nur selten vom gegnerischen Keeper pariert wird. Apropos: Deren Leistung pendelt zwischen überirdisch gut und dumm wie Brot: Mal fischen sie die unglaublichsten Dinger aus den Ecken, dann bleiben sie wie angewurzelt im Kasten stehen, anstatt einem in den Strafraum rollenden Ball entgegenzugehen. Den gegnerischen Stürmer freut's jedenfalls ...
Neben Freundschaftsspielen und Online-Duellen steht auch noch eine Kampagne zur Auswahl, in der man sich mit seinem selbst gebastelten Kapitän nebst ausbaufähigem Team in 28 Tagen an die Spitze der Fußball-Charts ballern muss. Die einzelnen Events stellen unterschiedliche Anforderungen an den Spieler - und auch prominente Kicker aus gegnerischen Teams landen nur dann auf dem Transfermarkt, wenn man ihre persönlichen Wünsche erfüllt. Im Falle von Herrn Ribéry sind das hier jedoch kein Fünf-Jahres-Vertrag und sieben Millionen Euro netto im Jahr, sondern wenn man im Spiel gegen Frankreich drei Treffer mit der Trickschusstaste erzielt, 75 Prozent Ballbesitz hat und zwölf Tacklings erfolgreich ausführt. Oder so ähnlich.
Spaß macht das alles aber nur bedingt. "Pure Football" ist weit von den Simulations- und Grafikmaßstäben der "FIFA"- und "PES"-Reihen entfernt, bei Weitem aber auch nicht so abgedreht, überzeichnet und trickverliebt wie das grandiose "FIFA Street 3". Es sitzt vielmehr zwischen allen Stühlen und bietet ein arcadelastiges Gebolze, das ein paar Partien lang Laune macht, dann aber wieder aus dem Laufwerk fliegt, um den "echten" Fußball-Spielen Platz zu machen.
Facts
| System | PC, PlayStation3, Xbox 360 |
| Vertrieb | Ubisoft |
| Entwickler | Ubisoft |
Bewertung
| Grafik | Befriedigend |
| Sound | Befriedigend |
| Steuerung | Befriedigend |
| Spielspaß | Befriedigend |
| Gesamturteil | Befriedigend |



