Spieletest | 16.01.2010
STALKER: Call of Pripyat
Ein strahlender Auftakt sieht anders aus: Glichen die ersten beiden "S.T.A.L.K.E.R."-Titel spielerisch und technisch noch einem Super-GAU, nahm sich der ukrainische Entwickler GSC Game World bei "Call of Pripyat" die Kritik der PC-Gamer offenbar zu Herzen und veröffentlicht nun eine fast fehlerfreie Fortsetzung des rund um den Katastrophen-Reaktor Tschernobyl angesiedelten Ego-Shooters.
Nur noch wenige Sekunden bis zur Emission. Alexander Degtyarev rennt um sein Leben. Der Himmel verdunkelt sich, ein blutroter Schleier überzieht die Wolken und entlädt seine verstrahlte Ladung über der Flussregion Pripyat. Im letzten Moment erreicht Degtyarev ein rettendes Schiffswrack. Auf diesen Schock genehmigt er sich erst mal einen Schluck Wodka und ein trockenes Brot, das beruhigt die Nerven und füllt die Gesundheitsanzeige wieder auf.
Eigentlich ist der der ukrainische Geheimagent in die kontaminierte Zone rund um das Atomkraftwerk Tschernobyl gekommen, um dem mysteriösen Absturz von fünf Militärhubschraubern auf den Grund zu gehen. Doch das von Mutanten und Artefaktjägern bevölkerte Areal steckt voller Nebenmissionen, deren Erfüllung wertvolle Waffen, Kontakte und Geld zutage fördert. Jede Menge Arbeit liegt also vor Major Degtyarev, dessen Steuerung vom Spieler übernommen wird.
In drei riesigen Gebieten - einer Flusslandschaft, einem Fabrikgelände und der verfallenen Stadt Pripyat - kann sich der als S.T.A.L.K.E.R. getarnte Agent frei bewegen. Er trifft auf zahlreiche Figuren, mit denen er lange, rein textbasierte Dialoge führt und so dem Geheimnis der verstrahlten Zone Schritt für Schritt auf die Spur kommt. Wie auch in den Vorgängern fesselt dabei vor allem die bedrückend intensive Atmosphäre - ein Erlebnis, das man so nur selten in Videospielen zu spüren bekommt. Erstmals sind auch die 70 Nebenmissionen logisch miteinander verknüpft, was zu einem deutlich runderem Spielgeschehen führt.
Optische Altlast: Noch immer nutzen die Entwickler die identische Grafikengine des ersten Teils, deren Halbwertszeit deutlich überschritten ist. Trotz netter Licht- und Schattenspiele, harmonischer Tag- und Nachtwechsel sowie realistischen Wettereffekten bleibt "Call of Pripyat" hinter modernen Genre-Vertretern zurück. Die Texturen sind unscharf, die Animationen ruckelig - man kann nur hoffen, dass sich die Gerüchte bestätigen und GSC Game World für den nächsten Teil auf die CryEngine aus dem Hause Crytek setzt.
Alles in allem ist "Call of Pripyat" dennoch eine gelungene und - endlich! - nahezu fehlerfreie Fortsetzung der "S.T.A.L.K.E.R."-Reihe. Fans werden automatisch zugreifen, Neulinge jedoch eine Weile brauchen, um die komplexen Zusammenhänge und Abläufe zu verstehen. Wer einen reinen Ego-Shooter erwartet, wird mit dem Spiel nicht glücklich. Dafür sind die Rollenspielelemente zu ausgeprägt und die Dialoge zu häufig. Durch das bedrohliche Horrorszenario dürfte allerdings auch hartgesottenen Spielern schnell das Lachen vergehen. Und damit hätte "S.T.A.L.K.E.R." wieder einmal sein Ziel erreicht.
Facts
| System | PC |
| Vertrieb | Namco Bandai Partners |
| Entwickler | GSC Game World |
Bewertung
| Grafik | Gut |
| Sound | Gut |
| Steuerung | Gut |
| Spielspaß | Befriedigend |
| Gesamturteil | Gut |



